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Erfolgsquote von über 60 Prozent

Geht nicht? – das gibt es in der Elektro-Selbsthilfe-Werkstatt im Stadtleben Ellener Hof zwar selten, aber es kommt vor. So erinnern sich „Die drei Lötkolben“ mit einem Augenzwinkern an einen besonderen Fall: „Mitglieder der Hindu-Gemeinde nebenan standen einmal mit einer defekten Waschmaschine bei uns vor der Tür. Da mussten wir passen.“ Der Grund war schnell klar: Der Werkraum in der Fahrradstation verfügt über keinen Wasseranschluss, der für eine fachgerechte Prüfung und Reparatur notwendig gewesen wäre. „Umsonst hergeschleppt wurde das Gerät aber nicht – zumindest die Elektronik haben wir noch gecheckt“, erzählt das Trio.

Seit mittlerweile sechs Jahren engagieren sich Bernd Ruschmeyer, Volker Diesing und Bernd Drewitz ehrenamtlich vor Ort. Die drei ehemaligen Elektrotechniker schenken kaputten Elektrogeräten mit viel Fachwissen und Geduld ein zweites Leben. Dafür legen sie sich richtig ins Zeug: Toaster, Föhne oder Rasenmäher werden auseinandergeschraubt, Bedienungsanleitungen studiert, Internetrecherchen gestartet, gemeinsam beraten und – wenn nötig – Ersatzteile bestellt. Gerade Letzteres erweist sich jedoch immer wieder als Herausforderung. „Viele Ersatzteile sind entweder gar nicht oder nur zu sehr hohen Preisen erhältlich – auch wegen der Versandkosten. Das macht Reparaturen mitunter unwirtschaftlich“, erklärt Volker Diesing. Umso größer ist die Hoffnung auf eine geplante Regelung der Europäischen Union, die Hersteller verpflichten soll, Ersatzteile über mehrere Jahre bereitzustellen. „Das würde unsere Arbeit deutlich erleichtern und unsere Erfolgsquote von über 60 Prozent bei Reparaturen vielleicht noch erhöhen“, betont er und freut sich jeden Montag von 16 bis 19 Uhr mit seinen Kollegen auf neue technische Herausforderungen. „Es macht Spaß herauszufinden, warum etwas nicht funktioniert. Und besonders schön ist es, wenn ein Gerät wieder läuft und wir damit den Besitzer glücklich machen“, sagt Bernd Ruschmeyer. „Ganz nebenbei leisten wir so auch einen Beitrag gegen die Wegwerfgesellschaft.“

Wie groß die Freude über erfolgreiche Reparaturen sein kann, zeigte sich kürzlich bei der siebenjährigen Enya und ihrem neunjährigen Bruder Liam: Zwei ferngesteuerte Autos sausten nach kurzer Zeit wieder über den Asphalt, und auch ein defekter Spielzeugbagger sollte eine Woche später wieder flott zur Abholung bereitstehen. „Es ist eine tolle Sache, dass hier Dinge gegen eine Spende repariert werden. Wir haben das Angebot zum ersten Mal genutzt und kommen bestimmt wieder“, berichtet der Vater der Kinder, Uwe Altevogt aus der Nachbarschaft des Stadtleben Ellener Hof.

Mittlerweile hat sich, wie Bernd Drewitz berichtet, eine treue Stammkundschaft entwickelt, die fleißig Mundpropaganda betreibt. „So kommen immer wieder neue Menschen zu uns – aus dem Stadtteil, aber auch aus dem Bremer Umland.“ Für den Besuch der Elektro-Selbsthilfe-Werkstatt hat das Trio noch einen praktischen Tipp: „Es hilft sehr, wenn die Geräte vorab gereinigt sind und Bedienungsanleitungen, Servicehefte, Akkus sowie Netzteile mitgebracht werden“, betonen die Drei.