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Über den Tellerrand geschaut

Rund 100 Gäste aus ganz Deutschland kamen am 2. und 3. September zum Fachtag Quartiersentwicklung nach Bremen. Der Auftakt fand im Stadtleben Ellener Hof statt – und damit an einem Ort, an dem viele der diskutierten Ideen im Alltag bereits gelebt werden.

„Da geht einem das Herz auf“, sagte Bremens Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung Özlem Ünsal in Hinblick auf das, was in den vergangenen Jahren auf dem Gelände der Bremer Heimstiftung in Osterholz entstanden ist. Es sei ein lebendiger Ort mit bezahlbarem Wohnraum und viel Gemeinschaft geworden, an dem Alt und Jung sowie Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen in guter Nachbarschaft zusammenleben. Beim Rundgang über das Stadtleben Ellener Hof konnten sich die Teilnehmenden selbst ein Bild davon machen. Doch es blieb nicht bei diesem einen Beispiel aus der Hansestadt: Mit dem Hachez Quartier von denkmalstadt in der Neustadt und dem Eldon-Burke-Quartier der Stiftung Friedehorst in Burglesum standen zwei weitere besondere Quartiersprojekte auf dem Programm. „Bei der Planung zur Öffnung unseres Geländes für ein neues Miteinander ist das Stadtleben Ellener Hof in vielfacher Hinsicht ein gutes Vorbild. Dafür sind wir sehr dankbar“, betonte Friedehorst-Vorständin Bettina Wegner.

Dass solche Projekte längst über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen werden, machte Özlem Ünsal deutlich. Kolleginnen und Kollegen auf Bundesebene sprächen sie immer wieder auf beispielhafte Bremer Vorhaben an. Delegationen nähmen weite Wege auf sich, um sie vor Ort kennenzulernen. Für die Senatorin zeigt sich darin das große Potenzial des Quartiersansatzes. „Wir haben auf diesem Gebiet viel zu bieten – und das ist nicht zuletzt das Verdienst vieler kluger Köpfe.“

Voneinander lernen

Etliche dieser klugen Köpfe kamen auf der zweitägigen Veranstaltung zusammen: Akteure aus Architektur, Stadtplanung, Wohnungswirtschaft, Kommunalverwaltung, Sozialplanung und Quartiersmanagement tauschten unter dem Motto „Transformation mutig gestalten – gemeinwohlorientiert, sozial, ökologisch“ ihre Erfahrungen aus. Gemeinsam diskutierten sie, welche Ansätze sich bereits bewährt haben – und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit gute Ideen auch an anderen Orten funktionieren. Dabei ging es um Fragen, die auf Quartiersebene wichtig sind: Wie lassen sich Stadtteile verdichten, ohne neue Hitzeinseln zu schaffen? Wie können Biodiversität, Versickerung und Durchlüftung mitgedacht werden? Brauchen wir tatsächlich immer mehr neuen Wohnraum – oder müssen vorhandene Flächen besser und anders genutzt werden? Und wie gelingt es, bei all diesen Veränderungen das Gemeinwohl im Blick zu behalten? Impulse dazu kamen unter anderem von Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Anja Bierwirth vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und der Aachener Stadtbaurätin Frauke Burgdorff.

Erfahrungen austauschen

Der Blick richtete sich auch über Bremen hinaus. Mit dem BOB Campus in Wuppertal, dem Steingauquartier in Kirchheim unter Teck und dem Prinz-Eugen-Park in München wurden weitere Konzepte vorgestellt, die auf ganz unterschiedliche Weise Antworten auf die Herausforderungen moderner Quartiersentwicklung geben. Für Sabine Schöbel, Koordinatorin des Stadtleben Ellener Hof, lag gerade darin der Mehrwert des Treffens: „Es war spannend zu erleben, mit wie vielen unterschiedlichen Ideen Quartiere andernorts gestaltet werden. Solche Begegnungen öffnen den Blick über das eigene Projekt hinaus und geben uns neue Anregungen.“ André Vater, Vorstand der Bremer Heimstiftung, rückte das Verbindende erfolgreicher, lebenswerter Quartiere in den Mittelpunkt: „Sie entstehen nicht allein durch gute Architektur. Entscheidend ist, dass wir Wohnen, soziale Teilhabe, Klimaschutz und Nachbarschaft zusammendenken und die Menschen vor Ort mitnehmen. Dafür braucht es den Mut, Neues auszuprobieren, und Partner, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Veranstaltung hat gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn genau das gelingt.“