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Weihrauch, Kokosnüsse und mehr

Wer am Sonntag das Tempelfest in Norddeutschlands größtem Hindu-Tempel besuchte, tauchte in eine farbenfrohe, exotische Welt ein. In und rund um die heilige Stätte im Stadtleben Ellener Hof fand der große Wagenumzug Theer statt. Bei diesem Highlight der zweiwöchigen Festtage erbaten Mitglieder der Hindu-Gemeinde Bremen Segen und Reinigung.

Der mit Blumengirlanden und Kränzen geschmückte Festwagen wurde von rund 20 Männern erst durch den Tempel und dann um ihn herumgezogen. Begleitet von flirrenden Rosenblüten in Gelb, Rosa und Orange, viel Weihrauch, leisen Gebeten und lautem Trommelwirbel setze sich der Prozessionszug langsam in Bewegung – vorbei an Gabentischen mit Kokosnüssen und Bananen sowie Schalen mit Feuer. An der Spitze des Zuges gingen Tänzer. Was Gästen anderer Religionen vielfach neu und ungewohnt war: Einige von ihnen hatten sich Haken durch die Haut am Rücken bohren lassen. Eine zweite Person hielt daran befestigte Kordeln in den Händen und damit im übertragenden Sinne die sich euphorisch bewegenden Tänzer „im Zaum“. Zudem hatten sich einzelne Männer zusätzlich Metallspeere durch den Mund stechen lassen. „Der Schmerz gilt als Buße und das Leiden ehrt die Götter“, erklärte Karalasingam Murugathas, der erste Vorsitzender der Hindu-Gemeinde Bremen.

Eine weitere symbolische Handlung, die keine Pein, sondern Freude verursachte: Am Ende des Zuges, dem betende Frauen mit Opfergaben in den Händen oder auf den Köpfen folgten, wurden Kokosnüsse mit aller Kraft auf den Boden geworfen und sich dabei etwas gewünscht. Platzte die Nuss auf und Milch floss auf den Boden, umso besser. „Damit schütteln wir alles Negative ab“, so Karalsingam Murugathas. Eine ähnliche Bedeutung habe eine Masse aus Asche, die sich Gläubige als Punkt auf die Stirn tupften. „Dieses Segenszeichen saugt alle negativen Eigenschaften auf. Getrocknet fällt es ab und damit alles Schlechte von seinem Träger.“ Was ebenfalls möglich war und gut genutzt wurde: Für 20 Euro konnte man einen Göttergaben-Teller kaufen und erhielt dafür eine Segnung durch anwesende Priester.